Fall Hildebrand und Wegelin: Hätte Coaching da etwas genützt?

Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren JA beantworten. Es stellt sich nur die Frage, welches Coaching als Ergänzung des bereits vorhandenen Beraterstabs den Unterschied ausmachen kann. Kann Coaching oder Krisencoaching für Menschen unter öffentlichem Druck sinnvoll sein? Hier zeige ich, wie von Guttenberg, Hildebrand, Wulf und andere mit einem Coach mehr Spielraum zum Handeln gehabt hätten. Kann Coaching in brisanten öffentlichen Krisen einen Mehrwert bringen?

Zuerst einmal die Ausgangslage: Exponierte Manager im Kreuzfeuer können in der Krise theoretisch auf ihre StrategieberaterInnen, ihre Task Forces, Qualitätszirkel, Freundeskreise, MentorInnen, UnternehmensberaterInnen und Managementtrainer zugreifen. Diese Berater sind in einer akuten Krisensituation, wenn ihr Mandant ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik gerät, jedoch auch leicht hilflos. Plötzlich ereignen sich irrationale Dinge: Logisches, rationales Vorgehen wie etwa das Durchführen von Situationsanalysen, das Erarbeiten von Grundlagen oder die Analyse von Handlungsoptionen scheinen den angegriffenen Mandanten nicht mehr wirklich vorwärts zu bringen. Was geht hier ab? Was passiert in solchen Momenten?

Zuerst erfolgt ein Schock oder Genickschlag. Ohne Vorankündigung, respektive  ohne wahrgenommene Vorankündigung, trifft eine massive Anschuldigung die öffentliche Person. Ebenso unvorbereitet sollen plötzlich Fragen der Presse und Medien beantwortet werden. In solchen Situationen zeigt der Mensch natürliche Schockreaktionen in drei verschiedenen biologisch-sozialen Systemen. Das sind:

  • Reaktionen im Immobilisierungssystem, z.B. Sich-Totstellen, In-Ohnmacht-Fallen, Abschalten jeglichen Verhaltens;
  • Spontane Handlungen des Mobilisierungssystems, also das Kampf- und Fluchtverhalten, welches auf Kampf, Abwehr, Flucht vorbereitet; und
  • Aktionen im Sozialen Kontaktsystem.

Der davon betroffene Mensch ist diesen natürlichen Reaktionen unterworfen, und das ist auch gut so, denn es sind genau diese Reaktionen, die dem Menschen in den letzten paar tausend Jahren das Überleben sicherten. Allerdings: diese Systeme sind dem Verstand nicht direkt zugänglich. Wir haben als zivilisierte BürgerInnen nachhaltig gelernt, statt diesen körpereigenen Verhaltensweisen den Verstand einzusetzen und so spontane Wutausbrüche frühzeitig zu unterbinden. Das Unterbinden kann gelingen, doch damit tritt keine Ruhe ein. Im Gegenteil: Alle Beteiligten sind gewissermassen erregt, wie bei einem permanenten Feueralarm. Die Reaktionen werden stereotyp, es fehlt an Phantasie, Kreativität und Flexibilität, Fähigkeiten, die in dieser Situation so nötig wären. An dieser Stelle versagt auch die normale traditionelle Beratung, die hauptsächlich den Verstand anspricht.

Wulff, Hildebrand etc. neigen also dazu, zu erstarren, auszusitzen, abzuwarten, während sie von Kampf- oder Fluchtgedanken beseelt sind und davon einfach zum Handeln gedrängt werden, nicht zuletzt, weil sie plötzlich in ihrem gesellschaftlichen System den Boden unter den Füssen verloren haben. Tatsächlich suchen viele als Universitätsdozenten im Ausland, etwa der USA, Ruhe und soziale Regenerierung. Nochmals: Dies sind gesunde und normale Reaktionen. Doch in Krisensituationen führen sie zu irrationalen Handlungen, welche das Ganze nur noch schlimmer machen. Was ist also zu tun, und wo müsste Coaching sinnvollerweise einsetzen, damit überlegtes Vorgehen möglich wird und die exponierte Person das Momentum des Handelns wieder in den Griff bekommt?

Bei hartnäckigen Schockreaktionen, wie sie in Krisen oft auftreten, braucht  es innovative Methoden. Dazu gehören Verfahren, welche die Informationsverarbeitung im Körper-Geist System der angegriffenen Person ankurbeln. Der Datenrückstau lässt sich mit kontrolliertem Dampf Ablassen sowie mit einer Verarbeitung der Information im Erstarrungsbereich wieder in Fluss bringen. D.h. die betroffene Person wird wieder flexibler, entspannter, dynamischer, frischer und wacher. Parallell dazu ist die Rolle der betroffenen Person im System mit einer systemisch orientierten Methode, z.B. Aufstellung, Mapping, Rollencoaching zu überprüfen und zu aktualisieren. Die betroffene Person kann nach dem Angriff nicht mehr gleich auftreten wie vor dem Angriff. Zuerst muss sie mit so genannt limbischem Coaching das emotional-körperliche System normalisieren. Gleichzeitig muss eine neue Rolle im Sozialsystem gefunden werden. Darauf lässt sich der Gegenwind zum vorwärts Kommen einsetzen. Jetzt geht es darum den Widerstand und alle Angriffe als Chance für das eigene Weiterkommen wahrzunehmen und spielerisch den Match aufzunehmen.

So kann die ehemalige Krise dank qualifiziertem Coaching zur Chance für den eigenen Höhenflug werden. Es braucht limbisches Coaching (z.B. wingwave), Rollenreflexion und die Anleitung zum Höhenflug.

Zu all diesen Vorgehensweisen orientieren Sie künftige Artikel

Ihr Claude Ribaux

 

Literatur:

wingwave-Coaching. Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Besser-Siegmund, Cora; Siegmund, Harry. Junfermann-Verlag, Paderborn 2010. Mit einer wingwave-CD. ISBN: 3-87387-758-9.

Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Trauma verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt. Peter Levine. Kösel-Verlag. ISBN-10:3266309182.

Die Polyvagal-Theorie. Neurophysiologische Grundlagen der Therapie. Emotionen, Bin- dung, Kommunikation & ihre Entstehung. Porges, Stephen W. Junfermann Verlag. ISBN: 3-87387-754-6.

Coaching in Depth: The Organizational Role Analysis Approach. Newton et. al. (eds.). Kar- nac Books (2006). ISBN-10: 1855753286.

Was ich von Roger Federer, Bandler und Milton Erickson fürs Coaching lernte

Präzise und elegant folgen sich die Schläge. Wenn Sie sich ein Spiel mit Roger Federer anschauen, gibt es da irgendwann einen Moment, wo ein Coach in Erscheinung tritt? Ganz gleich wie oft man sich schon einen Match des Tennis-Champions angeschaut hat, nur selten hat man etwas über einen Coach erfahren.

Hier ist Federer die Hauptperson, sonst niemand. Das ist absolut klar. Trotzdem weiss man, dass Roger Federer regelmässig Coaching für sich beansprucht. Was habe ich als Coach von Roger Federer fürs Coaching gelernt? Lektion 1: Der Coach bleibt im Hintergrund. Er handelt für Aussenstehende unsichtbar. Und Lektion 2: Bei Spitzenkräften kommt ein Coach ausschliesslich für sehr spezielle Aufgaben zum Einsatz, sowie Lektion 3: Selbst die weltbesten Sportler nehmen die Dienste von Coachs in Anspruch.

In meiner Primarschule sammelte der Lehrer jeweils die schlimmsten Fehler aus den Aufsätzen, angeblich sollten wir davon lernen. Ich hatte in einem Aufsatz über unsere Berufswünsche geschrieben, dass ich Teenager werden wollte, hatte aber Manager gemeint. Natürlich haben wir gelacht, und die Erzeuger des Fehlers mussten sich schämen. Doch: Haben wir wirklich auf diese Art schreiben gelernt? Richard Bandler ist einer der Mitbegründer des NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren). Wie kein anderer haben seine Schriften mir die Augen dafür geöffnet, dass es darauf ankommt, auf das zu achten, was die Besten richtig machen. Lerne von dem, was funktioniert, nicht von dem, was nicht läuft. Wem etwa vor einer Prüfung aus Angst die Motivation schwindet, der kann von sich selbst lernen, wie er eine solche Herausforderung in anderen Situationen erfolgreich gemeistert hat, z.B. beim Reiten. Deshalb Lektion 4: Lerne von dem, was in Dir oder bei anderen schon funktioniert.

Haben Sie auch schon bemerkt, dass Dinge, die Sie unbedingt wollen, genau dann nicht kommen, wenn es Sie wirklich drängt. Kaum hingegen lassen Sie los, fliegt Ihnen genau das vorher Gewollte automatisch zu. Milton Erickson, einer der begnadetsten Therapeuten des 20 Jahrhunderts hat längt bemerkt, dass Menschen nicht immer leicht beeinflussbar sind. Wie kein anderer hat er es verstanden, genau jene Momente zu finden, wo er mit kleinstem Aufwand das grösste mögliche Resultat erzielen konnte. Fazit Lektion 5: Warte auf den richtigen Moment.

Während ich im Hintergrund bleibe und für sehr spezielle Aufgaben herbeigezogen werde, habe ich gelernt, dass gerade die Besten zur Optimierung einen Coach beiziehen. Dabei ist die Aufmerksamkeit auf das gerichtet, was funktioniert.

Wozu schreibe ich diesen Blog?

In diesem Blog möchte ich Erkenntnisse aus dem Bereich des Coachings austauschen, Fragen beantworten und mich Kommentaren stellen. Echte Coaching-Fälle sollen einen Blick in die tägliche Praxis gewähren und Diskussionen provozieren, zudem aktuelle Coaching-Anliegen identifizieren.

Was bringt mich dazu?

Seit 25 Jahren ermögliche ich es – entweder in der Funktion als Führungskraft oder als Coach -Menschen in z.B. sehr anspruchsvollen und entfernten Umgebungen  ihr Bestes in sich zu finden und sich glücklich zu betätigen. Natürlich habe ich dadurch auch sehr Vieles lernen und erleben dürfen. Als Dank soll ein Teil dieser Erfahrung für mehr Menschen verfügbar gemacht werden.

Ihr

Claude André Ribaux

Ja, ich will weiter über interessante Inhalte informiert werden. Bitte kontaktieren Sie mich in diesem Fall über die Rubrik Kontakt.