Gewaltfreie Kommunikation: Eigene Stärke anstelle von Feigheit

Gewaltfreie Kommunikation wird im Coaching und in der Ausbildung überall angeboten und vorgeschlagen. Erst die Rückbesinnung auf die politischen und philosophischen Wurzeln der Gewaltfreiheit führt zu einem Gefühl für die Kraft dieser Methode. Gandhis Texte zur ‚Doktrin des Schwerts‘ sind eindrückliche Aufrufe, sich auf die eigene Stärke zu besinnen.

Gandhi: „…. Wenn ich die Wahl habe zwischen Feigheit und Gewalt, schlage ich vor, Gewalt einzusetzen. Als mein ältester Sohn mich fragte, was er hätte tun sollen, als ich 1908 angegriffen und fast getötet wurde, antwortete ich: Statt wegzurennen und von Ferne zuzuschauen, wie ich umgebracht wurde, hättest du besser deine Körperkraft eingesetzt, um mich zu verteidigen. Es ist deine Pflicht, den Vater zu verteidigen, selbst dann, wenn du dafür Gewalt einsetzen musst … Ich unterstütze Kampftraining für diejenigen, die denken, Gewalt sei eine akzeptable Methode. Ich hätte es lieber, wenn Indien zu den Waffen greifen würde, um seine Ehre zu erhalten, statt in feiger Weise zu einem hilflosen Zeugen der eigenen Entehrung zu werden.

Aber ich denke, dass Gewaltlosigkeit der Gewalt haushoch überlegen ist, Vergebung tapferer als Bestrafung. Vergebung ehrt den Soldaten. Doch der Verzicht auf Gewalt ist nur dann echte Vergebung, wenn jemand die Fähigkeit oder Kraft zur Bestrafung hat: Es ist bedeutungslos, wenn jemand, der hilflos ist, auf Gewalt verzichtet. Eine Maus vergibt einer Katze selten, wenn sie ihr erlaubt, sie in Stücke zu reissen.

Damit man mich nicht missversteht: Stärke kommt nicht von physischer Kraft. Sie entsteht durch einen unzerbrechlichen Willen. Obwohl ein Zulu (Afrikaner im südlichen Afrika) körperlich einem Engländer überlegen ist, rennt er doch vor einem englischen Knaben weg. Der Grund dafür ist, dass er die Pistole des Knaben fürchtet oder denjenigen, der davon Gebrauch machen könnte. Er fürchtet den Tod, ist aber dennoch bei voller Kapazität seiner körperlichen Kraft. Wir in Indien, wir realisieren, dass 100‘000 Engländer 300 Millionen Lebewesen nicht erschrecken können. Zu vergeben bedeutet, unsere Stärke zu akzeptieren. In Verbindung mit erleuchteter Vergebung muss eine solche Welle von Kraft entstehen, dass es der (Besatzungsmacht) unmöglich ist, über unsere hingebungsvollen Köpfe zu marschieren.

Es ist nicht wichtig, dass ich gerade jetzt meinen Standpunkt nicht wirklich klar machen kann. Wir fühlen uns im Moment zu unterdrückt und machtlos, um nicht erfüllt voll von Wut und Rachelust zu sein. Doch wir müssen uns davor zurückhalten, zu denken, dass Indien mit dem Recht auf Strafe mehr Gewinn erzielen könnte. Wir haben wichtigere Arbeit zu tun, Besseres der Welt  zu geben.

… Gewaltlosigkeit bedeutet nicht kleinlautes Akzeptieren des Willens der Bösen, sondern das Einbringen seiner ganzen Seele gegen die Absicht des Tyrannen. Nach diesem Seinsgesetz kann ein einzelnes menschliches Wesen die ganze Kraft eines ungerechten Reiches besiegen, um seine Ehre, seine Religion, seine Seele zu retten und dadurch die Voraussetzungen für den Sturz des Reiches oder dessen Erneuerung schaffen.

Deshalb flehe ich Indien nicht an, aus einem Gefühl der Schwäche heraus gewaltlos vorzugehen, sondern ich möchte, dass Indien Gewaltlosigkeit aus dem Bewusstsein der Stärke heraus praktiziert…“

Quelle: http://www.salsa.net/peace/conv/hs8weekconv2.html

Der Gaul kennt den Weg

Auf dem Nachhauseweg von der Schule sah ich einmal ein gezäumtes, aber herrenloses Pferd an unserer Gruppe vorbei zu einem Bauernhof galoppieren, wo es nach der Tränke suchte. Das Pferd war ganz nassgeschwitzt. Und da der Bauer es nicht kannte, drängten wir es in die Ecke. Ich sprang auf den Pferderücken. Da es ja gezäumt war, ergriff ich die Zügel und rief: „Hüh-hott“, und lenkte es auf die Strasse. Ich war mir sicher, das Pferd würde die richtige Richtung einschlagen. Ich selbst wusste nicht, welches die richtige Richtung war. Das Pferd trabte und galoppierte die Strasse entlang. Ab und zu vergaß es, dass es sich auf dem Weg befand und wandte sich seitwärts in die Felder. Dann zog ich immer ein wenig am Zügel und brachte ihm in Erinnerung, dass es sich eigentlich an den Weg halten sollte. Und vier Meilen nach dem Punkt, wo ich aufgesessen hatte, bog es schließlich in einem Bauerhof ein und der Bauer sagte: „So, ist der Gaul also wieder zurückgekommen. Wo hast du ihn gefunden?“ Ich antwortete: „Ungefähr vier Meilen von hier.“ „Woher wusstest du denn, dass er hierher gehört?“ Ich erwiderte: „Ich wusste es nicht, das Pferd wusste es. Ich brauchte eigentlich nur seine Aufmerksamkeit auf die Straße zu lenken.“

zitiert nach: Meine Stimme begleitet Dich. Therapeutische Geschichten von Milton Erickson

Coaching spricht gerade im Business weit mehr als nur den Verstand an. Es ist vielmehr ein Begleitprozess des gesamten Körper-Geist-Systems einer Person oder einer Gruppe. Manchmal traut sich dieses Körper-Geist System nicht, das ihm inne wohnende Wissen im Alltag anzuwenden. Der Coach ist hier Wegbegleiter, vielleicht Ideengeber, manchmal Dirigent. Er koordiniert, treibt an, motiviert, diskutiert, hinterfragt, optimiert. Nie aber schüttet er nur sein Fachwissen aus, um den Kunden dann im See der Information allein schwimmen zu lassen. Er ist ein echter Begleiter von Anfang an, hilft auch auf schwierigen Wegen und bei der täglichen Umsetzung. Ich unterstütze Sie dabei, als Gesamtkunstwerk Ihres Körper-Geist-System Ihren Weg zu finden und ihn erfolgreich zu gehen.