Konflikte erkennen

Der Alltag

Ich komme ins Büro, und mein Kollege hat zum hundertsten Mal seine Dokumente auf meiner Ablage liegen lassen und trotz meiner Hinweise nichts fürs Aufräumen unternommen. Das macht mich ungeduldig und wütend.

Oder, angenommen, ich treffe meine Berufskolleginnen für die Wochensitzung. Alle küssen sich, ich werde knapp mit Händedruck begrüsst.

Oder, ich fühle mich immer unwohl dabei, wenn ich bedenke, dass diese spezielle Person an der nächsten Sitzung teilnimmt. Ich ertappe mich beim Gedanken zu hoffen, dass diese Person nicht kommt. Dieses Unwohlsein hat mir schon in der Nacht zuvor den Schlaf geraubt.

Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum, z.B. Ihr Büro, und sofort befällt Sie eine tiefe Beklemmung, die Sie sich nicht erklären können. Es ist diejenige Beklemmung aufgrund derer Sie eigentlich am Morgen schon nicht aufstehen wollten.

Wer kennt sie nicht? Die kleinen Blockaden oder Konflikte, die uns immer wieder beschleichen. Das sind die Konflikte, die dafür sorgen, dass die Motivation sinkt und Vieles keine Freude mehr macht.

Konflikte erkennen: Was ist ein Konflikt?

Das Thema Konflikt ist sehr einfach und anspruchsvoll zur gleichen Zeit. Konflikte gibt es überall, und wir wollen ihnen am liebsten ausweichen. Wir alle sprechen davon und ergeben uns in Vorstellungen davon, was ein Konflikt ist. Selten definieren wir genau, worum es sich hier spezifisch handelt.

So können wir Konflikte erkennen, hier die Definition: Vereinfacht, für die Praxis können wir festhalten, daß ein sozialer Konflikt vorliegt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Mindestens 2 Personen (Parteien) sind beteiligt.
  • Die Personen haben etwas miteinander zu tun, sie interagieren miteinander.
  • Die Personen haben unterschiedliche Meinungen, Gefühle, Werte oder Ziele.
  • Die Meinungen, Gefühle, Werte oder Ziele behindern sich gegenseitig.
  • Mindestens eine Person erlebt eine Beeinträchtigung.

(vgl. Judy Korn/Thomas Mücke: Gewalt im Griff, S. 84)

„Ein Konfliktzustand kann ganz allgemein als ein Spannungszustand beschrieben werden, der dadurch entsteht, dass zwischen zwei oder mehreren Parteien unvereinbare Gegensätze in bezug auf ein bestimmtes Gut vorhanden sind.“

Frank R. Pfetsch: Konflikt und Konfliktbewältigung. Beispiele für Formen zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen. Stuttgart 1994, S. 2.

Woran merke ich, dass ein Konflikt im Anzug ist?

Wenn ich Konflikte erkennen will, ist der beste Sensor die eigene Wahrnehmung, v.a. die der eigenen Emotionen. Immer, wenn ich den Eindruck habe, ich oder eine andere Person seien nicht willkommen. Oder, wenn ich in einer bestimmten Umgebung Gefühle des Unwohlseins habe, oder mich etwas intensiv an unangenehme Erfahrungen erinnert, kann es gut sein, dass ein Konflikt am Entstehen ist. Das gilt etwa auch in dem Moment, wo ich bemerke, dass ich mir wünschte, eine andere Person würde schweigen, wäre abwesend, oder jemand sollte ihr jetzt einmal die Meinung sagen oder sie dazu bringen, den Mund zu halten. Anzeichen für Konflikte können sehr vielfältig sein, z.B. Blockaden bestimmten Personen gegenüber oder Gefühle der Verunsicherung in Anwesenheit oder beim Gedanken an bestimmte Personen.

Konflikt als Realitätskonstruktion

In Konfliktsituationen baue ich mir eine neue soziale Realität, die des Konflikts. In dieser Realität gibt es Gegner, Alliierte, Taktiken, Vorurteile, stereotype Gedanken. F.Glasl hat den Prozess der Realitätskonstruktion in der Konflikteskalation hervorragend dargestellt. Dieses Modell ist weitherum bekannt und soll hier nicht nochmals dargestellt werden. Weniger oft dokumentiert werden die Taktiken, die zur Eskalation und zu De-Eskalation führen.

Statt gegeneinander zu kämpfen gut zusammen arbeiten. Was ich dafür tun kann.

Den Zusammenhalt und die Begeisterung in einem Team herzustellen, kann sehr einfach sein. Mit den von R.Dilts dokumentierten Vorgehensweisen, die jedem Teammitglied die notwendige Wertschätzung entgegen bringen, lassen sich Höchstleistungen in einem guten sozialen Klima erbringen. Das grosse Problem hiermit ist: Die Massnahmen sind extrem kostengünstig, sofort umsetzbar und schnell wirksam. Wer es trotz niedriger Kosten anwenden möchte, zögere nicht.

Mit besten Grüssen

Claude André Ribaux

Die Kunst des Nicht-Denkens 1: Lektionen von der Rennpiste fürs Coaching

„Sehr sanft. Wie wenn es auf Deinen Pedalen Eierschalen hätte, die Du nicht zerbrechen möchtest. So sanft fährst Du im Regen“: Balancieren, Vorausschauen, Geduld. Körperliche Wahrnehmung wie wenn man auf dem Hosenboden fahren würde. Was ich am meisten liebte, war, dass man keine Erinnerung haben darf. Keine Erinnerung an Dinge, die gerade passiert sind, gute oder schlechte. Denn Erinnerung ist Rückschau in der Zeit. Sich zu erinnern, heisst, sich von der Gegenwart zu entfernen. Um im Rennen irgendwie Erfolg zu haben, darf sich der Rennfahrer nie erinnern. Das ist wohl der Grund, weshalb Rennfahrer jede Bewegung, jede Fahrt mit Kameras dokumentieren. Ein Fahrer kann nicht Zeuge seines eigenen Erfolgs sein. Rennen fahren ist Tun. Das ist Teil eines Moments und sich nichts Anderes bewusst zu sein als dieses Moments. Nachdenken muss später kommen. Ein Rennfahrer sagte einmal: „Wenn ich das Rennen fahre, arbeiten mein Geist und mein Körper so schnell und so gut zusammen. Ich muss mir sicher sein, dass ich dabei nicht denke, sonst mache ich sicher Fehler.“ 1)

Nicht zu denken, tönt einfach, ist jedoch nur mit mentaler Härte und zielführender Unterstützung zu erreichen. Was brauche ich, wenn ich dieses Zusammenspiel von Körper und Geist im Berufsleben erlangen möchte, und wie kann mir Coaching dabei helfen? Wie komme ich in diesen Flow, den Zustand des reinen Tuns, aufgehend in der Gegenwart, wo ich immer mehr Kraft schöpfe, je mehr ich tue? Im Teil 1 dieser Blogartikel-Serie schreibe ich warum eine gründliches Training Voraussetzung für ein erfolgreiches Tun ist. Danach werfe ich einen Blick auf die inneren Handbremsen, welche Erfolg behindern. Warum die Faszination für eine Tätigkeit so wichtig ist und wie diese Hingerissenheit erzeugt und aufrecht erhalten werden kann, und warum das alles so ist, darüber berichtet dann der zweite Blog.

A. Gut trainiert, alles eingeübt

 

Oft müssen wir für ein Projekt oder eine wichtige Entscheidung innert Minuten startfähig sein und dabei trotz schneller Aktion im Einsatz cool, ruhig und fokussiert bleiben. Es gilt, Ablenkungen zu vermeiden und präzise die Vorgaben einzuhalten. Erst nach dem Einsatz erfolgt die Analyse, diese aber diszipliniert im Sinne einer Forschung, was in Zukunft noch optimierter angegangen werden kann. Alle Fahrer sind gut vorbereitet und beherrschen ihre Maschinen. Der trainierte Rennfahrer hat seine Maschine im Griff. Das braucht nicht nur technische Finesse, sondern auch Kraft. Hier unterscheiden sich die Fahrer beträchtlich. Einige trainieren jeden Tag Technik, Kraft oder Ausdauer, andere halten sich dabei zurück. Wer nicht ausgeprägt trainiert ist, verliert während eines Rennens oft die Kraft, und damit steigt die Unfallgefahr. Im Prinzip müsste ein Fahrer in einer technischen Disziplin drei Rennen in gleicher Intensität unmittelbar hintereinander fahren können, damit sichergestellt ist, dass er im Wettbewerb seine volle Leistung abholen kann. Wie Rennsportler ist auch die heutige Mitarbeiterin auf eine professionelle Vorbereitung angewiesen. Diese erstreckt sich auf eine Vielfalt von Aspekten:

Da ist zuerst das Umfeld der Sportler oder Mitarbeiterin: Ist es stabil oder birgt es durch Unsicherheiten und Veränderungen Stresspotential? Dann:

Wie steht es mit der Work-Life Balance? Was passiert neben der Leistungsbereitschaft im Beruf?

WeIche Arten von Training und Wertschätzung sind angesagt? Geht es um höhere körperliche Leistung oder um Muskelaufbau oder Körperformung? Diesen und ähnlichen Fragen gehen gute Coachs nach, wenn sie mit Menschen arbeiten, die weiterkommen wollen. Ebenso sollte die qualifizierte Mitarbeiterin in einem geplanten Aufbauprozess begleitet werden. Welche fachlichen Fähigkeiten sind zu stärken, und wo sollte die Sozialkompetenz erhöht werden? Trainingspläne sind zu erstellen, und es gilt Fortschritte ständig zu dokumentieren. Diese laufende konstruktive Standortbestimmung führt zu erhöhter Widerstandskraft und Motivation.

 

B) Keine inneren Handbremsen mehr: Blockaden verarbeiten

Gehen wir also davon aus, dass der Fahrer technisch und körperlich gut vorbereitet ist, das Technikerteam harmonisiert und die richtigen Entscheidungen fällt, was entscheidet dann noch das Rennen? Hier kommt die mentale Veranlagung ins Spiel. Zuerst einmal der Umgang mit Emotionen. Angesichts der Schwierigkeiten beim Fahren dürfen Emotionen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Rachegelüste, Wut und ähnliche Zustände sind Energiefresser und lenken vom Parcours ab. Deshalb sind vor dem Rennen sämtliche störenden Emotionen zu neutralisieren. Ebenso kann ich im Betrieb nicht konzentriert und gelassen meine Fähigkeiten entfalten, wenn ich mich ständig emotional irritieren lasse. Und weil ich als qualifizierte Mitarbeiterin das weiss, versuche ich solche Emotionen ständig zu unterdrücken, was wiederum Energie kostet und die Wirksamkeit reduziert. Bei zunehmendem Aufwand wird dann immer weniger erreicht.

Solche Emotionen verdaut unser Körper-Geist System normalerweise in der Nacht. Normalerweise. Leider sammeln sich bei den meisten Leistungsträgerinnen und Leistungsträger über Monate hinweg unverdaute Emotions-Information an, die oft nur mit Hilfe von Coaching, z.B. wingwave oder Hypnose, effizient in die Verarbeitung geschickt werden kann.

Ihr Claude Ribaux

1) Aus: ‚The art of racing in the rain‘ von Garth Stein

http://www.hypeflow.ch/  http://hypeflow.ch/blog/