Kunst des Nicht-Denkens 2: Sich in den Flow-Zustand begeben und dort bleiben

Warum ist es so wichtig, sich zu einer Tätigkeit hingezogen zu fühlen? Wie kann ich diese Hingerissenheit erzeugen und aufrecht erhalten? Wie kann es sein, dass einzelne Arbeiter nach einer ganzen Woche anstrengender Fliessbandarbeit fröhlich den Arbeitsplatz verlassen, während andere schon nach einem Arbeitstag verschlissen sind? Ganz einfach: Der Erste liebt seine Tätigkeit und zieht Energie daraus, während der Zweite nicht im Flow ist und deshalb zuviel Energie verbraucht.

Wer mit einer Tätigkeit verfliesst, ist im Flow-Zustand. Als Flow bezeichnet man das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit. In diesem Zustand besteht totale Harmonie, eine optimale Anpassung des inneren Erlebens und der Umwelt. Zeit spielt keine Rolle. Denken, Fühlen und Handeln sind in Übereinstimmung, und das Tun geht mühelos vonstatten.

Je mehr ich im Flow bin, desto motivierter für eine Verrichtung bin ich. Ich übe diese Beschäftigung aus, einfach weil es mir gefällt. Die Motivation dafür kommt von Innen, und es braucht keinerlei Anreize von Aussen, die mich motivieren müssten. Die Arbeit geht leicht vonstatten. Es ist sogar so, dass ich aus der Betätigung heraus Energie tanken kann.

Methode für intensiven Flow-Zustand 

Schritt 1: Betrachten Sie Ihre Aufgabe wie ein Spiel 

Wie in einem wirklichen Spiel braucht es ständige Rückmeldung. Beim Spiel geschieht dies meist über den Punktestand. So auch hier. Stellen Sie sich die Erledigung Ihrer Aufgabe wie ein sportliches Ziel vor, machen Sie sich die Hürden klar und legen Sie Regeln und Belohnungen fest. Organisieren Sie oft und schnell Feedback.

Schritt 2:  Behalten Sie Ihre Absicht im Hinterkopf

Während des Tuns denken Sie immer wieder daran, was dahintersteht. Was ist die Triebkraft hinter dem Ziel? Denken Sie daran: Das hier geht über das Tore-Schiessen oder Treffer-Erzielen hinaus. Wichtig ist der Grund, warum Sie Tore schiessen wollen.

Schritt 3: Konzentration

Bleiben Sie mit Ihren Gedanken ganz beim Tun. Falls Sie gedanklich abschweifen, haben Sie den Flow-Zustand wieder verlassen. Wenden Sie Ihre Aufmerksamkeit dann wieder genau auf das, was Sie in diesem Moment sehen, hören, fühlen, riechen, z.B. auf die Struktur des Griffs im Fels in der Wand, die Sie durchklettern. Konzentrieren Sie sich wieder auf die vor Ihnen liegende Aufgabe und passen Sie den Schwierigkeitsgrad solange an, bis Sie sich wieder vollständig hineinbegeben haben.

Schritt 4: Übergeben Sie sich dem Geschehen

Das ist das wohl größte Geheimnis des gesamten Flow-Ablaufs. Sie werden feststellen, dass Sie einfach Spass an Ihrer Aufgabe haben; unnötige Anstrengungen oder Erzwingenwollen erübrigen sich. Sie befinden sich in einem gewissen Zustand der Zeitlosigkeit. Es gibt keinen Grund in diesem Moment darüber nachzudenken.

Schritt 5: Das Hochgefühl

Dieses Hochgefühl ergibt sich ganz natürlich aus den vier vorhergehenden Schritten. Auf einmal merken Sie, dass Sie sich in einem Zustand der Ekstase oder des Höhenflugs befinden. Es wird Ihnen bewusst. Jetzt befinden Sie sich wirklich im Flow.

Schritt 6: Spitzenleistungen

Der Zustand des Hochgefühls entsteht, weil das gesamte Gehirn mit eingebunden ist.  Alles schwingt auf einer Frequenz. Dieser Zustand ist unverkennbar. In diesem Zustand hat man das Gefühl, etwas zu bewirken, ohne wirklich zu denken; die Produktivität erreicht ungeahnte Höhen. Falls Sie Langeweile und Unruhe aus Ihrem Leben verbannen wollen, suchen Sie sich eine Aufgabe und schwingen Sie sich in den Zustand des „Flow“ hinein. Dabei ist es nicht wichtig, um welche Tätigkeit es sich hier handelt. Und denken Sie daran: Es ist ein Spiel. Bei diesem Spiel geht es um Belohnungen – nicht um Kritik.

Viele Höhenflüge und ein Aufgehen im Flow wünscht

Claude Ribaux

http://www.hypeflow.ch/  http://hypeflow.ch/blog/

Bücher dazu:
Flow: Das Geheimnis 
des Glücks. Von Mihaly 
Csikszentmihalyi. Verlag 
Klett-Cotta, 14. Aufl. 
2008. 424 Seiten. 
Flow im Beruf. Von Mihaly Csikszentmihalyi. 
Verlag Klett-Cotta 2004. 
312 Seiten.

Die Kunst des Nicht-Denkens 1: Lektionen von der Rennpiste fürs Coaching

„Sehr sanft. Wie wenn es auf Deinen Pedalen Eierschalen hätte, die Du nicht zerbrechen möchtest. So sanft fährst Du im Regen“: Balancieren, Vorausschauen, Geduld. Körperliche Wahrnehmung wie wenn man auf dem Hosenboden fahren würde. Was ich am meisten liebte, war, dass man keine Erinnerung haben darf. Keine Erinnerung an Dinge, die gerade passiert sind, gute oder schlechte. Denn Erinnerung ist Rückschau in der Zeit. Sich zu erinnern, heisst, sich von der Gegenwart zu entfernen. Um im Rennen irgendwie Erfolg zu haben, darf sich der Rennfahrer nie erinnern. Das ist wohl der Grund, weshalb Rennfahrer jede Bewegung, jede Fahrt mit Kameras dokumentieren. Ein Fahrer kann nicht Zeuge seines eigenen Erfolgs sein. Rennen fahren ist Tun. Das ist Teil eines Moments und sich nichts Anderes bewusst zu sein als dieses Moments. Nachdenken muss später kommen. Ein Rennfahrer sagte einmal: „Wenn ich das Rennen fahre, arbeiten mein Geist und mein Körper so schnell und so gut zusammen. Ich muss mir sicher sein, dass ich dabei nicht denke, sonst mache ich sicher Fehler.“ 1)

Nicht zu denken, tönt einfach, ist jedoch nur mit mentaler Härte und zielführender Unterstützung zu erreichen. Was brauche ich, wenn ich dieses Zusammenspiel von Körper und Geist im Berufsleben erlangen möchte, und wie kann mir Coaching dabei helfen? Wie komme ich in diesen Flow, den Zustand des reinen Tuns, aufgehend in der Gegenwart, wo ich immer mehr Kraft schöpfe, je mehr ich tue? Im Teil 1 dieser Blogartikel-Serie schreibe ich warum eine gründliches Training Voraussetzung für ein erfolgreiches Tun ist. Danach werfe ich einen Blick auf die inneren Handbremsen, welche Erfolg behindern. Warum die Faszination für eine Tätigkeit so wichtig ist und wie diese Hingerissenheit erzeugt und aufrecht erhalten werden kann, und warum das alles so ist, darüber berichtet dann der zweite Blog.

A. Gut trainiert, alles eingeübt

 

Oft müssen wir für ein Projekt oder eine wichtige Entscheidung innert Minuten startfähig sein und dabei trotz schneller Aktion im Einsatz cool, ruhig und fokussiert bleiben. Es gilt, Ablenkungen zu vermeiden und präzise die Vorgaben einzuhalten. Erst nach dem Einsatz erfolgt die Analyse, diese aber diszipliniert im Sinne einer Forschung, was in Zukunft noch optimierter angegangen werden kann. Alle Fahrer sind gut vorbereitet und beherrschen ihre Maschinen. Der trainierte Rennfahrer hat seine Maschine im Griff. Das braucht nicht nur technische Finesse, sondern auch Kraft. Hier unterscheiden sich die Fahrer beträchtlich. Einige trainieren jeden Tag Technik, Kraft oder Ausdauer, andere halten sich dabei zurück. Wer nicht ausgeprägt trainiert ist, verliert während eines Rennens oft die Kraft, und damit steigt die Unfallgefahr. Im Prinzip müsste ein Fahrer in einer technischen Disziplin drei Rennen in gleicher Intensität unmittelbar hintereinander fahren können, damit sichergestellt ist, dass er im Wettbewerb seine volle Leistung abholen kann. Wie Rennsportler ist auch die heutige Mitarbeiterin auf eine professionelle Vorbereitung angewiesen. Diese erstreckt sich auf eine Vielfalt von Aspekten:

Da ist zuerst das Umfeld der Sportler oder Mitarbeiterin: Ist es stabil oder birgt es durch Unsicherheiten und Veränderungen Stresspotential? Dann:

Wie steht es mit der Work-Life Balance? Was passiert neben der Leistungsbereitschaft im Beruf?

WeIche Arten von Training und Wertschätzung sind angesagt? Geht es um höhere körperliche Leistung oder um Muskelaufbau oder Körperformung? Diesen und ähnlichen Fragen gehen gute Coachs nach, wenn sie mit Menschen arbeiten, die weiterkommen wollen. Ebenso sollte die qualifizierte Mitarbeiterin in einem geplanten Aufbauprozess begleitet werden. Welche fachlichen Fähigkeiten sind zu stärken, und wo sollte die Sozialkompetenz erhöht werden? Trainingspläne sind zu erstellen, und es gilt Fortschritte ständig zu dokumentieren. Diese laufende konstruktive Standortbestimmung führt zu erhöhter Widerstandskraft und Motivation.

 

B) Keine inneren Handbremsen mehr: Blockaden verarbeiten

Gehen wir also davon aus, dass der Fahrer technisch und körperlich gut vorbereitet ist, das Technikerteam harmonisiert und die richtigen Entscheidungen fällt, was entscheidet dann noch das Rennen? Hier kommt die mentale Veranlagung ins Spiel. Zuerst einmal der Umgang mit Emotionen. Angesichts der Schwierigkeiten beim Fahren dürfen Emotionen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Rachegelüste, Wut und ähnliche Zustände sind Energiefresser und lenken vom Parcours ab. Deshalb sind vor dem Rennen sämtliche störenden Emotionen zu neutralisieren. Ebenso kann ich im Betrieb nicht konzentriert und gelassen meine Fähigkeiten entfalten, wenn ich mich ständig emotional irritieren lasse. Und weil ich als qualifizierte Mitarbeiterin das weiss, versuche ich solche Emotionen ständig zu unterdrücken, was wiederum Energie kostet und die Wirksamkeit reduziert. Bei zunehmendem Aufwand wird dann immer weniger erreicht.

Solche Emotionen verdaut unser Körper-Geist System normalerweise in der Nacht. Normalerweise. Leider sammeln sich bei den meisten Leistungsträgerinnen und Leistungsträger über Monate hinweg unverdaute Emotions-Information an, die oft nur mit Hilfe von Coaching, z.B. wingwave oder Hypnose, effizient in die Verarbeitung geschickt werden kann.

Ihr Claude Ribaux

1) Aus: ‚The art of racing in the rain‘ von Garth Stein

http://www.hypeflow.ch/  http://hypeflow.ch/blog/