Tinnitus: Was tun, wenn ich ihn habe? (Teil 2)

Was tun bei Tinnitus?

1. Arzt aufsuchen.

Abklären, ob es sich um einen sog. objektiven Tinnitus handelt, also ein Geräusch, das der Körper selbst herstellt, z.B. ein Haar, das am Trommelfell kratzt oder Pulsgeräusche bei Bluthochdruck. Über 80% der Tinnitusfälle sind allerdings subjektiv, also nicht unmittelbar auf körperliche Ursachen rückführbar. Dieser Tinnitus ist nicht lebensgefährdend oder sonst sehr gefährlich. Auch nach akuter Hörminderung (Hörsturz), sofort in medizinische Behandlung! Beachten: Am Anfang verheilt Tinnitus oft spontan und ohne fremde Hilfe.

2. Bei andauerndem Tinnitus: Symptomtagebuch führen: Dreh- und Wendepunkte identifizieren. Was ist da anders, wenn ich Tinnitus weniger/mehr wahrnehme? Dann das Positive verstärken.

Darauf: Salutogenetische innere Landkarte aufbauen (wie kann ich gesund werden? Wie fühlt sich das gesund Sein an?). Entängstigende Selbst- und Fremdkommunikation. Sich nicht einreden lassen, dass dies nun der Weltuntergang ist.

Evtl. Ernährung anpassen und z.B. Zink Tabletten zu sich nehmen. Günstig auch Cranio-Sakrale Interventionen.

Zudem den Sinn hinter dem Symptom suchen: Was wurde anders, als der Tinnitus kam? (z.B. mehr Introspektion, mehr Aufmerksamkeit für sich selbst; oder: Distanz schaffen, d.h. allein sein, für sich sein; oder: Stabilisieren. Wenn alles unklar ist, dann ist wenigstens dieses Geräusch stabil; oder: sich öfter mal etwas zuliebe tun). Eventuell im Leben mehr Platz für diesen Sinn hinter dem Symptom geben.

3. Mit Mentaltechniken, Meditation, Hypnose, etc. die insula (Teil des Gehirns) dahingehend trainieren, sich in Richtung Gesundheit zu bewegen. Was wäre anders, wenn der Tinnitus geheilt wäre? Ziel soll sein, Tinnitus nicht mehr wahrzunehmen. „Es ist mir Wurst, ob er da ist oder nicht.“ Achtung, die Formulierung von Vermeidungszielen ist ungünstig! „Ich will ihn loswerden“ oder „verschwinde“, sind meistens Tinnitus-verstärkende Haltungen. Problem entsteht aus einem Vergleich von Ist und Soll-Zustand, unter der Bedingung, dass der Ist-Zustand als negativ bewertet wird.

Die Ursachen des subjektiven Tinnitus sind meist im emotionalen oder limbischen System zu finden, das auf NUTS reagiert. NUTS= Novelty (alles, was neu ist), Unpredictability, Threat for the Ego (Herausforderung fürs Selbstverständnis) Sense of control (niedrige Kontrollsicherheit über die Situation).

4. Mit in diesem Fachgebiet kundigem Coach oder Arzt in Verbindung treten und bleiben.

Wichtig ist, dass man Hilfe jeglicher Art einfach zulässt. Menschen, die an Tinnitus leiden, tun oft sehr viel für andere, jedoch wenig für sich selbst.

Anwendung weiterer Heilverfahren, z.B. wingwave, EMDR, EFT, je nach Bedarf.

Ihr Claude Ribaux

Tinnitus: Ohrengeräusch als Autonomiesignal (Teil 1) aus der Coachingpraxis

Aus der Coaching-Praxis:

„Schon wieder dieses Pfeifen! Das habe ich nun, und es wird immer schlimmer. Warum muss ich nur immer dieses dumme Pfeifen haben? Was soll das? Verschwinde!“ Heute wird sich Frau Müller(*) ihres Ohrenpfeifens erstmals um 9.00 h gewahr. Sie erschrickt, bleibt für den Rest des Tages schlecht gelaunt und macht auf Einzelgängerin. Ihre Arbeitsleistung ist entsprechend schlecht, und sie wird zunehmend wütend über sich selbst:

Bei vielen Menschen nimmt das innere Geräusch ständig zu und wird immer unerträglicher, während es bei anderen auf merkwürdige Art irgendwie in den Hintergrund abtaucht. Frau Müller hatte Glück, denn sie konnte innerhalb von wenigen Wochen ihre normale Lebens- und Arbeitsqualität wieder herstellen.

Wie gelang ihr das, wo andere scheitern? Frau Müllers firmeninterne Personalberaterin instruierte, den Tinnitus vollumfänglich medizinisch abzuklären. Dann wies man sie auf die Möglichkeit der Bearbeitung des Ohrgeräusches hin. Unterstützt vom Lebenspartner hatte sie eine Coaching-Offerte wahrgenommen und einiges in ihrem Leben umgestellt. Sie hat gelernt, „dass man Pflanzen oft giessen muss, will man verhindern, dass sie verdorren.“ War sie vorher von Selbstzweifeln geplagt, weil die unrealistische Forderung „alle Faktoren zu berücksichtigen“ im Beruf wie auch in der Familie einfach unerfüllbar blieb, überprüft sie jetzt präzise die aufgelisteten Schwachstellen ihrer Projekte. Sie sorgt bei aller Hingabe für die Arbeit auch für sich selbst. Früher konnte es etwa geschehen, dass sie vom Morgen bis am Abend keinen Bissen zu sich nahm. Heute achtet sie auf ihre Körperbedürfnisse und gönnt sich mittags einen Imbiss. Merkwürdigerweise ist damit auch das Ohrgeräusch nicht mehr so wichtig.

Leider haben nicht alle Angestellten das Glück von Frau Müller. Ohne Hilfe durch seine Personalverantwortliche musste sich ein 35-jähriger Banker mit dem Geräusch und „der Tatsache einer sinkenden Lebens- und Arbeitsqualität“ abfinden.

Was ist Tinnitus überhaupt?

Wenn es klingelt, pfeift, brummt, rauscht oder ständig zischt im Ohr und es keine erkennbare Ursache dafür gibt, und wenn solche Geräusche im Kopf andauern und unangenehm sind, könnte es sich um einen Tinnitus handeln. Über 500 000 Menschen sind in der Schweiz vom Ohrengeräusch Tinnitus betroffen, davon 70 000 schwer. Wirtschaftlich relevant ist der Tinnitus wegen der Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und Sozialkompetenz. Auffallend häufig ist Tinnitus bei Menschen, die eine tatsächliche Lärmbelastung mit angespannter Aufmerksamkeit verbinden, z.B. die Arbeit in Grossraumbüros oder Callcenters. Auch Lehrer, Musiker, Physiker in Kernkraftwerken, Manager und andere Dienstleister sind negativer Wahrnehmung des Eigengeräusches besonders ausgesetzt. Depressive Störungen mit Freudlosigkeit, Interessenverlust, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Antriebsminderung und sozialer Rückzug können die Folge sein. Die Schutzreaktionen auf den Tinnitus, d.h. die vom Gehirn geschaffenen Reaktionen auf das Geräusch sind ein weiteres Problem. Meist begleiten den Tinnitus Selbstbeschuldigungen, Wut, Hass auf sich selbst. Rund 1% der Tinnitusbetroffenen zieht sich vollständig zurück. Sie leben dann nicht mehr mit, sondern im Tinnitus.

Entstehung des Tinnitus

Manchmal entsteht Tinnitus durch äussere Einwirkung, einen Schuss, Schrei, laute Musik, oft jedoch wenn sich im sozialen Umfeld etwas stark ändert, etwa wenn ein neuer Chef eingesetzt wird, oder die Lebenspartnerin schwer erkrankt. Für einen Ehemann nahm der Tinnitus den Anfang, als sein Frau ihn verliess. Auch Konflikte am Arbeitsplatz und Mobbing spielen hier mit. Etwa die Versetzung in eine andere Abteilung, wo die Rolle noch ungeklärt ist und von Vorgesetzten nicht definiert wurde. Oder endlose Sitzungen, während denen immer das Gleiche lautstark besprochen wird, aber keine Chance besteht etwas zu verändern. Unklarheit und Unsicherheit in Beruf oder im Privaten können Tinnitus verursachen. Dieser kann zu Geräuschüberempflindlichkeit bis hin zu schweren Schlaf- bzw. Einschlafstörungen und Depressionen führen. Selbst wenn das Geräusch im Ohr aufhört, läuft der zentrale Regelkreis weiter. Man spricht daher von „zentralisiertem Tinnitus“, der dem Phantomschmerz von amputierten Gliedmassen gleicht.

Was kann man tun, um sich mit dem Tinnitus zu versöhnen? Wie kann ich den Stress umwandeln in ein Frühwarnsystem? Wie kann ich aus ‚rotem Lärm‘ ‚weisses Rauschen‘ machen?

Der Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen gehen die folgenden Artikel zu diesem Thema nach. Der nächste beschreibt genau, was man tun soll/kann im Fall von Tinnitus, die weiteren beleuchten einzelne Behandlungsmethoden.

Ihr Claude Ribaux

Bei Interesse an weiteren Informationen zu diesem oder anderen ähnlichen Themen, kontaktieren Sie mich bitte über die Rubrik Kontakt.

(*) Name geändert.

wingwave® Informationsquellen im Netz

Seit ich 2004 mein Coaching-Portfolio durch die wingwave®-Zertifizierung erweiterte, werde ich gefragt, wo und wie man sich über wingwave® etwas vertiefter informieren kann. Hier deshalb ein paar Informationsquellen, welche ich über die Jahre immer wieder weiter gegeben hatte:

Die wingwave-Methode ist ein Leistungs- und Emotions-Coaching, das für den Coachee spürbar und schnell zum Abbau von Leistungsstress und zur Steigerung von Kreativität, Mentalfitness und Konfliktstabilität führt. Erreicht wird dieser Ressourcen-Effekt durch eine einfach erscheinende Grundintervention: das Erzeugen von „wachen“ REM-Phasen (Rapid Eye Movement), welche wir Menschen sonst nur im nächtlichen Traumschlaf durchlaufen http://www.clauderibaux.ch/coaching/wingwave/.

 

Entwickelt wurde das Verfahren von Cora und Harry Besser-Siegmund. Auf deren Homepage  http://wingwave.com findet man sehr viel Informationasmaterial. Hier sind auch einige Produkte erhältlich, die man sonst auf dem Markt nicht kaufen kann, z.B. Die wingwave-Musik CDs oder DVDs. Wer abnehmen möchte, findet ausreichend Material bei: http://shop.besser-siegmund.de/

Wer eine kompakte Darstellung der Methode sucht, ist bei Trainersearch gut bedient.  Dort findet man auch die Links zu Filmmaterial, das Cora und Hary Besser-Siegmund an der Arbeit zeigt.  Gute Darstellungen finden sich auch bei der bekannten Anwenderin Beatrice Ribaux  unter ‚Coaching‘.

Einige Videos zu wingwave®-Interventionen kann man über den Suchbegriff ‚wingwave‘ bei youtube herunterladen. Allerdings könnten einige dieser Videos mögliche Interessentinnen oder Interessenten auch abschrecken, weil das Verfahren als oberflächlich oder platt rüberkommt.

Eine profunde Auseinandersetzung mit wingwave® wird sich in erster Linie an den verschiedenen bei Junfermann erschienenen Publikationen orientieren. All diese Bücher von Cora und Harry Besser-Siegmund schaffen es, komplexe Sachverhalte leicht nachvollziehbar und kundenfreundlich darzustellen.

Christina Weigl hat auf ihrer Homepage ein paar Artikel/Interviews mit Cora Besser-Siegmund zum Herunterladen als pdf Datei umformattiert.  http://www.christina-weigl.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=65&Itemid=68

Eine interessante Anwendung in einer Forschung über Schlaflosigkeit findet man hier: http://www.dasschlafmagazin.de/archiv/zurueck-zum-schlaf-genuss.html

Nützlich sind auch meine Artikel zum Thema:

Tinnitus: So erkennen Sie den inneren Schrei! von Claude Ribaux erschienen in: KMU Business Magazin 12/2006. Download bei   http://wingwave.com unter Presse Artikel zu wingwave

Die innere Handbremse beim Lernen lösen von Claude André Ribaux  http://www.sko.ch/de/fachartikel/   beim Ausbilder-Verband, einer nationalen Berufsgruppe der Schweizer Kader Organisation SKO

Ihr Claude André Ribaux

 

Schwerelos in Trance. Aktivwacher Höhenflug im Coaching

„Da sitze ich jetzt einfach an meinem Tisch und lasse es aus mir herausschreiben. Es ist so toll, wie es mir einfach immer leichter fällt, und es automatisch vorangeht, schwerelos in Trance:  aktivwacher Höhenflug.“

„Mit diesem warmen Sicherheitsgefühl im Bauch spüre ich meine eigene Wucht beim Führen meines Teams. So können wir auch schwierigste Aufgaben direkt zu lösen anfangen.“

„Wenn ich bei meiner Strategieentwicklung stecken bleibe, hole ich mir wie berauscht auf dem Trampolin die nötigen Ideen für den Durchbruch.“

„Ich weiss jetzt, wie ich es schaffe, bei zunehmendem Druck immer mehr diesen inneren Katapult zu spüren, die Kraft, die mich dazu bringt, mich noch mehr in die Sache reinzubeissen und mir erlaubt, meine gesamte Leistungsfähigkeit abzurufen.“

Schwerelos in Trance: Was steckt dahinter? Wie gelange ich immer wieder in solche Zustände des Höhenflugs? Haben wir diese Trancezustände nicht alle schon erlebt?  Dass wir beim Laufen oder anderen intensiven Tätigkeiten zu einem Höhenflug ablegen (runners‘ high)? Können Sie sich an Momente in Ihrem Leben erinnern, wo Sie wie hingerissen und konzentriert  bei etwas waren und alles einfach ohne Anstrengung lief? Ja, irgendwie kennen wir das, wenn plötzlich alles automatisch zu gehen scheint.

Arbeitsinstrument für Aktivwach-Hypnose

Arbeitsinstrument für Aktivwach-Hypnose

Wenige Menschen wissen jedoch, dass wir bewusst auf den Höhenflug gehen können. Im Coaching ‚Aktivwacher Höhenflug‘ machen wir uns Power-Zustände für unser Weiterkommen zunutze, etwa für einen öffentlichen Auftritt oder das Verfassen eines Textes. Dabei finden fliesst unsere Inspiration, und die Motivation steigt.

Die systematische Erzeugung des Höhenflugs entstammt der Aktivwach-Hypnose. Sie entsteht aus körperlicher Aktivität heraus, z.B. auf einem Ergometer. Dank der Suggestion von Wärme, Leichtigkeit und Frische gerät der Trainierende auf dem Trainingsgerät in eine zunehmend euphorische Verfassung. Der Trancezustand entsteht aus der Kombination von Bewegung und Suggestion. Ist der Höhenflug endlich erreicht, fängt die eigentliche Arbeitsphase an. Ich kann dann etwa:

  • üben, mit Begeisterung zu lernen;
  • die mentale Härte erzeugen, damit ich mich locker und spielerisch durchbeissen kann;
  • mich vom möglichen Quantensprung nach Abschluss der Ausbildung hinreissen lassen, so dass es mich da hin zieht;
  • das Schreiben einer Masterarbeit, von einer trockenen Pflicht in eine selbstvergessene, faszinierende Beschäftigung verwandeln;
  • spezifische Inhalte verstehen und memorisieren, z.B. Rechtschreibregeln;
  • den Zugang zu meiner Spiel- und Spassfähigkeiten wieder freilegen;
  • meine Kreativität für neue Ideen anzapfen, etwa meinen Geist auf eine innere Schatzsuche schicken oder mich in meiner vorgestellten Lieblingslandschaft speziellen Geistesblitzen aussetzen;
  • meine neue Business-Strategie verankern, indem ich das erwünschte neue Führungsverhalten auf eine neue Art systematisch skizziere und eintrainiere.

mit Leichtigkeit

Ihr Claude André Ribaux

http://www.hypeflow.ch/  http://hypeflow.ch/blog/

http://www.ribauxpartner.ch/aktuell/

http://www.clauderibaux.ch/coaching/hohenfluge/

http://www.clauderibaux.ch/kurse/aktivwach-hypnose/

 

Fall Hildebrand und Wegelin: Hätte Coaching da etwas genützt?

Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren JA beantworten. Es stellt sich nur die Frage, welches Coaching als Ergänzung des bereits vorhandenen Beraterstabs den Unterschied ausmachen kann. Kann Coaching oder Krisencoaching für Menschen unter öffentlichem Druck sinnvoll sein? Hier zeige ich, wie von Guttenberg, Hildebrand, Wulf und andere mit einem Coach mehr Spielraum zum Handeln gehabt hätten. Kann Coaching in brisanten öffentlichen Krisen einen Mehrwert bringen?

Zuerst einmal die Ausgangslage: Exponierte Manager im Kreuzfeuer können in der Krise theoretisch auf ihre StrategieberaterInnen, ihre Task Forces, Qualitätszirkel, Freundeskreise, MentorInnen, UnternehmensberaterInnen und Managementtrainer zugreifen. Diese Berater sind in einer akuten Krisensituation, wenn ihr Mandant ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik gerät, jedoch auch leicht hilflos. Plötzlich ereignen sich irrationale Dinge: Logisches, rationales Vorgehen wie etwa das Durchführen von Situationsanalysen, das Erarbeiten von Grundlagen oder die Analyse von Handlungsoptionen scheinen den angegriffenen Mandanten nicht mehr wirklich vorwärts zu bringen. Was geht hier ab? Was passiert in solchen Momenten?

Zuerst erfolgt ein Schock oder Genickschlag. Ohne Vorankündigung, respektive  ohne wahrgenommene Vorankündigung, trifft eine massive Anschuldigung die öffentliche Person. Ebenso unvorbereitet sollen plötzlich Fragen der Presse und Medien beantwortet werden. In solchen Situationen zeigt der Mensch natürliche Schockreaktionen in drei verschiedenen biologisch-sozialen Systemen. Das sind:

  • Reaktionen im Immobilisierungssystem, z.B. Sich-Totstellen, In-Ohnmacht-Fallen, Abschalten jeglichen Verhaltens;
  • Spontane Handlungen des Mobilisierungssystems, also das Kampf- und Fluchtverhalten, welches auf Kampf, Abwehr, Flucht vorbereitet; und
  • Aktionen im Sozialen Kontaktsystem.

Der davon betroffene Mensch ist diesen natürlichen Reaktionen unterworfen, und das ist auch gut so, denn es sind genau diese Reaktionen, die dem Menschen in den letzten paar tausend Jahren das Überleben sicherten. Allerdings: diese Systeme sind dem Verstand nicht direkt zugänglich. Wir haben als zivilisierte BürgerInnen nachhaltig gelernt, statt diesen körpereigenen Verhaltensweisen den Verstand einzusetzen und so spontane Wutausbrüche frühzeitig zu unterbinden. Das Unterbinden kann gelingen, doch damit tritt keine Ruhe ein. Im Gegenteil: Alle Beteiligten sind gewissermassen erregt, wie bei einem permanenten Feueralarm. Die Reaktionen werden stereotyp, es fehlt an Phantasie, Kreativität und Flexibilität, Fähigkeiten, die in dieser Situation so nötig wären. An dieser Stelle versagt auch die normale traditionelle Beratung, die hauptsächlich den Verstand anspricht.

Wulff, Hildebrand etc. neigen also dazu, zu erstarren, auszusitzen, abzuwarten, während sie von Kampf- oder Fluchtgedanken beseelt sind und davon einfach zum Handeln gedrängt werden, nicht zuletzt, weil sie plötzlich in ihrem gesellschaftlichen System den Boden unter den Füssen verloren haben. Tatsächlich suchen viele als Universitätsdozenten im Ausland, etwa der USA, Ruhe und soziale Regenerierung. Nochmals: Dies sind gesunde und normale Reaktionen. Doch in Krisensituationen führen sie zu irrationalen Handlungen, welche das Ganze nur noch schlimmer machen. Was ist also zu tun, und wo müsste Coaching sinnvollerweise einsetzen, damit überlegtes Vorgehen möglich wird und die exponierte Person das Momentum des Handelns wieder in den Griff bekommt?

Bei hartnäckigen Schockreaktionen, wie sie in Krisen oft auftreten, braucht  es innovative Methoden. Dazu gehören Verfahren, welche die Informationsverarbeitung im Körper-Geist System der angegriffenen Person ankurbeln. Der Datenrückstau lässt sich mit kontrolliertem Dampf Ablassen sowie mit einer Verarbeitung der Information im Erstarrungsbereich wieder in Fluss bringen. D.h. die betroffene Person wird wieder flexibler, entspannter, dynamischer, frischer und wacher. Parallell dazu ist die Rolle der betroffenen Person im System mit einer systemisch orientierten Methode, z.B. Aufstellung, Mapping, Rollencoaching zu überprüfen und zu aktualisieren. Die betroffene Person kann nach dem Angriff nicht mehr gleich auftreten wie vor dem Angriff. Zuerst muss sie mit so genannt limbischem Coaching das emotional-körperliche System normalisieren. Gleichzeitig muss eine neue Rolle im Sozialsystem gefunden werden. Darauf lässt sich der Gegenwind zum vorwärts Kommen einsetzen. Jetzt geht es darum den Widerstand und alle Angriffe als Chance für das eigene Weiterkommen wahrzunehmen und spielerisch den Match aufzunehmen.

So kann die ehemalige Krise dank qualifiziertem Coaching zur Chance für den eigenen Höhenflug werden. Es braucht limbisches Coaching (z.B. wingwave), Rollenreflexion und die Anleitung zum Höhenflug.

Zu all diesen Vorgehensweisen orientieren Sie künftige Artikel

Ihr Claude Ribaux

 

Literatur:

wingwave-Coaching. Wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Besser-Siegmund, Cora; Siegmund, Harry. Junfermann-Verlag, Paderborn 2010. Mit einer wingwave-CD. ISBN: 3-87387-758-9.

Sprache ohne Worte: Wie unser Körper Trauma verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt. Peter Levine. Kösel-Verlag. ISBN-10:3266309182.

Die Polyvagal-Theorie. Neurophysiologische Grundlagen der Therapie. Emotionen, Bin- dung, Kommunikation & ihre Entstehung. Porges, Stephen W. Junfermann Verlag. ISBN: 3-87387-754-6.

Coaching in Depth: The Organizational Role Analysis Approach. Newton et. al. (eds.). Kar- nac Books (2006). ISBN-10: 1855753286.